Räder und Rollen Ratgeber

Alles, was Sie über Räder und Rollen wissen müssen

  • 01 Auswahlkriterien Räder und Rollen


    Je nach Einsatzgebiet und Anwendungsbereich können Räder, Lenk- und Bockrollen oder Bandagen/Reifen eingesetzt werden. Lenkrollen sind schwenkbar, Bockrollen in ihrer Laufrichtung fixiert. Die Befestigung der Rollen kann mittels Anschraubplatte, Rückenloch, Zapfen, Expander oder Einsteckstift erfolgen. 
    Raditem Lenkrolleitem Bockrolleitem Bandage / Reifenitem
    itemAnschraubplatte itemRückenloch itemZapfen itemExpander itemEinsteckstift

    2. Bestimmen Sie die notwendige Tragfähigkeit.

    Die erforderliche Tragfähigkeit eines Rades bzw. einer Rolle errechnet sich aus dem Eigengewicht des Transportgerätes und dessen Zuladung, dividiert durch die Anzahl der tragenden Räder bzw. Rollen. Das Ergebnis wird mit einem von den Einsatzbedingungen abhängigen Sicherheitsfaktor multipliziert.

     

     

    formula

    T = Erforderliche Tragfähigkeit je Rad bzw. Rolle
    E = Eigengewicht des Transportgerätes 
    Z = Maximale Zuladung
    n = Anzahl der tragenden Räder bzw. Rollen
    S = Sicherheitsfaktor

    3. Anfahr-, Roll- und Schwenkwiderstand. Manövrierbarkeit.

    Der Anfahr-, Roll- und Schwenkwiderstand eines Rades oder einer Rolle wird erheblich von Laufbelag, Radlagerung, Rad-Ø, Gesamtlast sowie Bodenbeschaffenheit beeinflusst.
    Die Manövrierbarkeit eines Transportgerätes ist von der Anzahl, Art und Anordnung der Rollen abhängig. Diese Faktoren beeinflussen wiederum Tragfähigkeit, Beweglichkeit, Steuerung, Wendekreis und Kippstabilität eines Wagens.

    Geringer Rollwiderstand
    • großer Rad-Ø
    • harter Laufbelag
    • hohe Elastizität des Laufbelags
    • Kugellagerung
    • harter, glatter Untergrund

    Geringer Schwenkwiderstand (Lenkrollen)
    • harter Laufbelag
    • ballige Lauffläche
    • große Ausladung
    • harter, glatter Untergrund

    4. Korrosionsbeständigkeit. Temperaturbeständigkeit. Chemische Beständigkeit.

    Die Lebensdauer und die Funktionsfähigkeit eines Rades oder einer Rolle sind u.a. davon abhängig, inwieweit die verwendeten Werkstoffe oder ihre Oberflächenveredelung den Einwirkungen durch Korrosion, Temperatur und chemische Stoffe standhalten. Dabei sind Temperatur und Dauer der Einwirkung die wesentlichen Faktoren.
    Die chemische Beständigkeit der verschiedenen Werkstoffe können Sie der Übersichtstabelle entnehmen.
    Beispiel: Überprüfung der Hydrolysebeständigkeit

    5. Wählen Sie aus unterschiedlichsten Radmaterialien aus.

    Härte, Form und Laufbelagsmaterial haben erheblichen Einfluss auf den Fahrkomfort, die Laufruhe, sowie den Anfahr-, Roll- und Schwenkwiderstand eines Rades oder einer Rolle. Der Laufbelag (Reifen) eines Rades sollte in der Regel weicher als der Untergrund gewählt werden, da sich sonst das Rad eindrücken und den Untergrund beschädigen kann.
    Laufbelagsmaterial Belagshärte
    Luftreifen, Weichgummi
    Elastik-Vollgummi, Super-Elastik-Vollgummi
    Vollgummi, TPE, Polyurethan 75 Shore A, Silikon-Gummi
    TPU, Polyurethan 92 Shore A
    Stahl, Guss, Polyamid, Polypropylen, Phenolharz
     

    weich

    hart

    Laufbelagsmaterial Fahrgeräusch
    Luftreifen, Weichgummi
    Elastik-Vollgummi, Super-Elastik-Vollgummi
    Vollgummi, TPE, Polyurethan 75 Shore A, Silikon-Gummi
    TPU, Polyurethan 92 Shore A
    Stahl, Guss, Polyamid, Polypropylen, Phenolharz
     

    laut

    leise


    6. Wählen Sie die gewünschte Radlagerart.

    Für die Auswahl eines geeigneten Lagers müssen die Last, die Geschwindigkeit, die Umwelteinflüsse und die aufzuwendende Kraft, um das Transportgerät zu bewegen, berücksichtigt werden.

    Gleitlager sind einfach, robust und weitestgehend unempfindlich gegen Feuchtigkeit, weisen aber die ungünstigsten Reibwerte auf und führen daher zu einem relativ hohen Anfahr- und Rollwiderstand.
    Rollenlager sind robust, haben einen geringen Rollwiderstand und ein geringes radiales Lagerspiel.

    Kugellager haben die besten Anfahr- und Rolleigenschaften, das geringste Lagerspiel, hohe Tragfähigkeiten und sind zudem für höhere Geschwindigkeiten geeignet.
    Gleitlager
    Rollenlager
    Kugellager

    7. Wählen Sie passende Gehäuse, Varianten, Zubehör.

    Für jeden Einsatzzweck und für jede Anforderung steht das passende Gehäuse zur Verfügung: Stahlblech-Gehäuse in Standard-, Edelstahl- oder hitzebeständiger Ausführung, stahlgeschweißte Schwerlast-Gehäuse mit und ohne Federung oder elegante Kunststoffgehäuse.

    Die Funktion eines Rades oder einer Rolle kann durch verschiedene Varianten oder Zubehörteile erweitert werden: Rad- und Drehkranzfeststeller für die Blockierung der Roll- und Schwenkbewegung von Lenkrollen, Fußschutz zur Vermeidung von Fußverletzungen, elektrisch leitfähige Laufbeläge zum Schutz vor elektrostatischer Entladung und vieles mehr.
  • 02 Grundlagen und Begriffserklärungen von Rädern und Rollen

    Rad

    Lenkrolle

    Bockrolle

    Bandage/Reifen

    Bezeichnungen:
    1 = Laufbelag / Reifen
    2 = Radkörper / Felge
    3 = Nabe
    4 = Radlagerung

    Maße:
    D = Raddurchmesser
    d = Achslochdurchmesser
    T1 = Nabenlänge
    T2 = Radbreite

    Bezeichnungen:
    1-3 = Lenkgehäuse

    • 1 = Anschraubplatte
    • 2 = Drehkranz (Schwenklager)
    • 3 = Lenkgabel
    4 = Rad
    5 = Radachse

     

    Maße:
    H = Gesamthöhe / Bauhöhe
    F = Ausladung
    A,B = Plattenabmessungen
    a,b = Schraublochentfernungen
    d = Schraublochdurchmesser

    Bezeichnungen:
    1 = Bockgehäuse
    2 = Rad
    3 = Radachse

    Maße:
    H = Gesamthöhe / Bauhöhe
    A,B = Plattenabmessungen
    a,b = Schraublochentfernungen
    d = Schraublochdurchmesser

    Bezeichnungen:
    1 = Laufbelag / Reifen
    2 = Stahlband

    Maße:
    D = Außendurchmesser
    d = Innendurchmesser
    T2 = Breite

    Räder bestehen aus Laufbelag / Reifen, Radkörper / Felge und einer Radlagerung.

    Räder haben je nach Beschaffenheit unterschiedliche Tragfähigkeiten, Rollwiderstände und Laufqualitäten. Die speziellen Eigenschaften der einzelnen Radserien werden hier detailliert erläutert.

    Bockrollen sind nicht schwenkbar und geben Maschinen, Geräten etc. die erforderliche Richtungsstabilität.

     

    Bandagen / Reifen bestehen aus verschiedenen Elastomeren und sind mit einem Stahlband oder einer Stahleinlage ausgestattet.

    Bandagen / Reifen haben je nach Beschaffenheit unterschiedliche Tragfähigkeiten, Rollwiderstände und Laufqualitäten. Die speziellen Eigenschaften der einzelnen Bandagen / Reifen werden im Kapitel Bandagen/Reifen näher erläutert.

    Die auf den Produktseiten abgebildeten Schnittzeichnungen der Räder können immer nur ein Beispiel der jeweiligen Serie darstellen, d.h. innerhalb einer Serie sind konstruktive Unterschiede aus technischen Gründen nicht zu umgehen.

  • 03 Tragfähigkeit, Arten von Rädern und Rollen
  • 04 Klassifizierung von Rädern und Rollen

    Blickle Apparate-Räder und -Rollen

    Blickle Transportgeräte-Räder und -Rollen

    Blickle Schwerlast-Räder und -Rollen


    Apparate-Räder und -Rollen sowie Kompaktrollen werden überwiegend im Innenbereich an Apparaten und Geräten eingesetzt. Sie sind für Geschwindigkeiten bis 3 km/h konzipiert. Die Tragfähigkeiten reichen bis max. 280 kg (Apparate-Räder und -Rollen) bzw. 1.750 kg (Kompaktrollen). Sie erfüllen die Anforderungen an eine hohe Beweglichkeit der jeweiligen Geräte sowie nach größtmöglicher Laufruhe bei geringem Rollwiderstand.
    Typische Anwendungen sind medizinische Geräte, Displayständer, Großküchengeräte oder ähnliches.

    Für Blickle Apparate-Räder und -Rollen sowie Kompaktrollen erfolgt die Prüfung der Tragfähigkeit nach DIN EN 12530 / ISO 22881 auf einem rotatorischen Scheibenprüfstand.

    Die wichtigsten Prüfbedingungen:

    • Geschwindigkeit: 3 km/h
    • Temperatur: +15 °C bis +28 °C
    • harte, horizontale Lauffläche mit Hindernissen, die eine Höhe von 3 % des Raddurchmessers aufweisen
    • Testdauer: erforderliche Anzahl der Hindernisüberfahrten entspricht zehnmal dem Raddurchmesser (in mm)
    • Pausenzeit: max. 3 Min. nach jeweils 3 Min. Laufzeit

     

    Transportgeräte-Räder und -Rollen werden im industriellen Einsatz im Innen- und Außenbereich eingesetzt. Sie sind für Fahrgeschwindigkeiten bis 4 km/h konzipiert.
    Die Tragfähigkeiten reichen bis 1.000 kg. Transportgeräte-Räder und -Rollen sind unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen, weitgehend wartungsfrei und arbeiten über einen langen Zeitraum störungsfrei.
    Typische Anwendungen sind Maschinen und Geräte aller Art, aber auch Paletten, Arbeitsbühnen und Müllcontainer oder ähnliches.

    Für Blickle Transportgeräte-Räder und -Rollen erfolgt die Prüfung der Tragfähigkeit nach DIN EN 12532 / ISO 22883 auf einem rotatorischen Scheibenprüfstand.

    Die wichtigsten Prüfbedingungen:

    • Geschwindigkeit: 4 km/h
    • Temperatur: +15 °C bis +28 °C
    • harte, horizontale Lauffläche mit Hindernissen, die folgende Höhe aufweisen: 5 % des Raddurchmessers für Räder mit weichem Laufbelag (Härte < 90 Shore A)
    • 2,5 % des Raddurchmessers für Räder mit hartem Laufbelag (Härte ≥ 90 Shore A)
    • Testdauer: 15.000 Radumdrehungen bei mindestens 500 Hindernisüberfahrten
    • Pausenzeit: max. 1 Min. nach jeweils 3 Min. Laufzeit

     

    Schwerlast-Räder und -Rollen werden für Anwendungen mit schweren Lasten und / oder höheren Fahrgeschwindigkeiten eingesetzt.
    Sie sind besonders stabil gebaut. Um die teilweise sehr hohen Lasten aufnehmen zu können, kommen in diesem Bereich auch Rollen mit zwei Rädern (Doppelrollen) zum Einsatz. Für einen erschütterungsfreien Transport eignen sich besonders gefederte Rollen.
    Typische Anwendungen sind Regal- und Flurförderfahrzeuge, Montage- und Transportsysteme oder ähnliches.

    Für alle Blickle Schwerlast-Räder und -Rollen erfolgt die Prüfung der Tragfähigkeit bei Schrittgeschwindigkeit 4 km/h nach DIN EN 12532 / ISO 22883 auf einem rotatorischen Scheibenprüfstand. Bei Angaben von höheren Geschwindigkeiten erfolgt die Prüfung der Tragfähigkeit nach DIN EN 12533 / ISO 22884.

    Die wichtigsten Prüfbedingungen nach DIN EN 12532 / ISO 22883:

    • Geschwindigkeit: 4 km/h
    • Temperatur: +15 °C bis +28 °C
    • harte, horizontale Lauffläche mit Hindernissen, die folgende Höhe aufweisen: 5 % des Raddurchmessers für Räder mit weichem Laufbelag (Härte < 90 Shore A)
    • 2,5 % des Raddurchmessers für Räder mit hartem Laufbelag (Härte ≥ 90 Shore A)
    • Testdauer: 15.000 Radumdrehungen bei mindestens 500 Hindernisüberfahrten
    • Pausenzeit: max. 1 Min. nach jeweils 3 Min. Laufzeit

    Die wichtigsten Prüfbedingungen nach DIN EN 12533 / ISO 22884:

    • Geschwindigkeit: 6 km/h, 10 km/h, 16 km/h, 25 km/h (Norm: max. 16 km/h)
    • Temperatur: +15 °C bis +28 °C
    • harte, horizontale Lauffläche mit Hindernissen, die folgende Höhe aufweisen: 5 % des Raddurchmessers für Räder mit weichem Laufbelag (Härte < 90 Shore A)
    • 2,5 % des Raddurchmessers für Räder mit hartem Laufbelag (Härte ≥ 90 Shore A)
    • Testdauer: erforderliche Anzahl der Hindernisüberfahrten entspricht fünfmal dem Raddurchmesser (in mm)
    • Pausenzeit: max. 1 Min. nach jeweils 3 Min. Laufzeit

     

  • 05 Tragfähigkeit


    Wird bei Rädern und Rollen von einer Tragfähigkeit gesprochen, ist dies bei Blickle immer die Belastung eines Rades beziehungsweise einer Rolle, welche die Prüfung nach DIN EN 12527-12533 (ISO 22878–22884) auf einem rotatorischen Scheibenprüfstand besteht.

    Zur Ermittlung der erforderlichen Tragfähigkeit eines Rades oder einer Rolle muss das Eigengewicht des Transportgerätes, die maximale Zuladung sowie die Anzahl der tragenden Räder und Rollen bekannt sein. Beim Einsatz von vier oder mehr Rädern bzw. Rollen kann die Lastaufnahme der einzelnen Räder oder Rollen variieren. Die erforderliche Tragfähigkeit errechnet sich wie folgt:

    Formel zur Tragfähigkeitsberechnung

    T = erforderliche Tragfähigkeit je Rad bzw. Rolle
    E = Eigengewicht des Transportgerätes
    Z = maximale Zuladung
    n = Anzahl der tragenden Räder bzw. Rollen
    S = Sicherheitsfaktor

    Bei Rädern und Rollen mit Kugellagerung sind Geschwindigkeiten über 4 km/h bei gleichzeitiger Tragfähigkeitsreduzierung möglich.

    Empfohlene Sicherheitsfaktoren für verschiedene Anwendungsbereiche

    Im Sicherheitsfaktor S werden Abweichungen von den Standard-Einsatzbedingungen (glatter Boden, Schrittgeschwindigkeit 4 km/h, gleichmäßige Lastverteilung, Geradeausfahrt, Umgebungstemperatur +15 °C bis +28 °C) berücksichtigt. Der Sicherheitsfaktor wird von der Geschwindigkeit und dem Verhältnis von Rad-Ø zur Hindernishöhe beeinflusst. Es wird zwischen vier Kategorien unterschieden. Sicherheitsfaktoren berücksichtigen nicht die Abnutzung des Laufbelags.

    Beförderung
    Umgebung
    Hindernishöhe
    Sicherheitsfaktor

    manuell

    Innenbereich

    < 5% des Rad-Ø

    1,0 bis 1,5


    manuell
    Außenbereich
    > 5% des Rad-Ø
    1,5 bis 2,2

    motorisch
    angetrieben
    Innenbereich
    < 5% des Rad-Ø
    1,4 bis 2,0

    motorisch 
    angetrieben
    Außenbereich
    > 5% des Rad-Ø
    2,0 bis 3,0
  • 06 Manövrierbarkeit

    Drei Lenkrollen gleicher Bauhöhe

    Vier Lenkrollen gleicher Bauhöhe

    Zwei Lenk- und Bockrollen gleicher Bauhöhe


    Geeignet für geringe Lasten und enge Gänge. Das Transportgerät ist in alle Richtungen sehr leicht beweglich. Bei Geradeausfahrt lässt sich das Transportgerät nur relativ schwer führen. Durch den Anbau eines Richtungsfeststellers an eine der drei Lenkrollen wird dies verbessert. Bei dieser Rollenanordnung kann das Transportgerät zum Kippen neigen.

    Geeignet für enge Gänge. Das Transportgerät ist in alle Richtungen sehr leicht beweglich. Bei Geradeausfahrt lässt sich das Transportgerät nur relativ schwer führen. Durch den Anbau von Richtungsfeststellern an zwei Lenkrollen wird dies verbessert.

    Gebräuchlichste Rollenanordnung, geeignet für Schleppbetrieb. Bei Geradeaus- und Kurvenfahrt lässt sich das Transportgerät sehr gut führen. In engen Gängen ist das Transportgerät relativ schwer manövrierbar. Alternativ kann anstelle der Bockrollen ein Radsatz, d.h. zwei Räder auf einer Achse, eingesetzt werden.